| 06.12.2008 05:00 Uhr | |
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Es war der Versuch, der so vorhersehbaren Stadt Nürnberg ein bisschen Absurdität abzugewinnen. Auf allen relevanten Internetseiten und Blogs hatten die beiden Akademiestudenten Chris Weiß und Tom Neumeier ihre Idee gepostet: Günther Beckstein, auch ohne Amt noch Deutschlands prominentester Sicherheitspolitiker, sollte als Ehrengast der Nürnberger Kunstakademie eine besondere Aufgabe übernehmen. Spontan sollte er die drei besten „Überwachungsbilder“ küren, die am Donnerstag Abend anlässlich seiner Erhebung in den Senatorenstand geknipst werden sollten. „B-Picture Award“ nannte sich das Aktionskunstprojekt, das zugleich Nürnbergs erster Flashmob sein wollte. So heißt die urbane Kunstform des spontanen Nonsensproduzierens, bei dem sich wildfremde Menschen zusammen finden, um mehr oder weniger absurde Handlungen zu vollführen. Am Münchner Odeonsplatz, auf dem Potsdamer Platz in Berlin, in New York und Paris gibt es immer wieder derartige Aktionen. In Nürnberg ist der Versuch gescheitert. Wobei das beileibe nicht an Beckstein lag. Noch zu seinen Zeiten als Ministerpräsident hatte die Kunstakademie seine Erhebung zum Ehrensenator beschlossen, einen Status dessen genaue Bedeutung freilich niemand genau kennt. Beckstein nahm es mit Humor, verwies darauf, dass man ihn nach seiner politischen Niederlage von dieser Würde ruhig wieder hätte entbinden können. Aber auch Beckstein weiß natürlich, dass ihm der Titel nicht ohne Hintergedanken zugesprochen wurde. Der anstehende Neubau der Akademie sei „sicher auch einer der Gründe, dass man mir den Titel Ehrensenator verliehen hat“, meinte der ehemalige Ministerpräsident und schmunzelte. Freundlich wurde da geklatscht, frohgemut machte sich das Publikum aus Kunstförderern, Studenten und Dozenten dann über das – natürlich – fränkische Büfett her. Das erhoffte spontane Knipsen blieb dagegen aus. Ein paar unsichere Handyfotos wurden gemacht, doch sonst blieb man protestanisch-anständig, suchte die Begegnung mit Ottmar Hörl, dem launigen Chef des Hauses. Witz zeigte indes nur Beckstein. Er signierte die Überwachungskamera, die eigentlich der erste Preis der Flashmob-Aktion zu seinen Ungunsten hätte sein sollen – und sagte auch noch einen Besuch beim Workshop für Aktionskunst zu. Max Hägler |